The Whole and its Parts (UA)

The Whole and its Parts (UA)

Gedankensplitter

The Whole and its Parts – Das Ganze und seine Teile – ein kosmologisches Tanzstück in der Engführung von Physik, Astronomie und Weltgeschichte, in erschütternder Zärtlichkeit und Poesie, in einer eisigen Gegenwart verortet. Ein Tanzabend über das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Was verbindet das Einzelne mit dem Ganzen? In The Whole and its Parts wird der Tanz zum lebendigen System: Jede kleinste Bewegung verändert die Gruppe, jeder Körper trägt das Ganze mit. Präzision, Rhythmus und Gewicht formen eine Choreografie, in der sich individuelle Entscheidungen unmittelbar auf das kollektive Gefüge auswirken – ein sensibles Gleichgewicht zwischen Eigenständigkeit und Zusammenhalt. Wie im Kosmos folgt auch hier alles unsichtbaren Gesetzen: Körper wie Planeten in Umlaufbahnen, gehalten von Gravitation, getragen von gegenseitiger Anziehung und Abstoßung. Jede kleinste Bewegung verschiebt das Gleichgewicht des Ganzen – wie ein Stern, der das Gefüge einer Galaxie verändert. Das Schweben ist kein Stillstand, sondern permanente Aushandlung von Kräften. Ordnung entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Beziehung. So wie in der Weltgeschichte das Handeln Einzelner ganze Systeme in Bewegung setzt, zeigt sich: Das Ganze existiert nur durch seine Teile – und jedes Teil trägt bereits die Logik des Universums in sich. Momente, in denen beispielsweise klimatische Veränderungen – wie während der Kleinen Eiszeit – ganze Gesellschaften aus dem Gleichgewicht geraten ließen. Im Anthropozän wird der Mensch selbst zu einer geologischen Kraft und verschiebt die Ordnung des Ganzen erneut. Kleine Eingriffe entfalten große Wirkung – in einem empfindlichen Netzwerk von Ursachen und Folgen, in dem das Schicksal der Teile untrennbar mit dem Zustand des Ganzen verwoben bleibt.

Die Choreografen Guy Nader und Maria Campos arbeiten seit 2006 als Choreograf:innen-Duo zusammen und zählen heute zu den markanten Stimmen des zeitgenössischen Tanzes. Der gebürtige Libanese Guy Nader und die aus Spanien stammende Maria Campos verbinden in ihren Arbeiten zeitgenössischen Tanz, Akrobatik und präzise räumliche Kompositionen. Maria Campos studierte unter anderem an der SEAD in Salzburg und an der Amsterdam School of the Arts; gemeinsam entwickeln beide choreografische Arbeiten, die durch starke Körperlichkeit, strukturelle Klarheit und intensive physische Forschung geprägt sind. Gemeinsam arbeiten sie an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz, Akrobatik und choreografischer Forschung. Mit ihrer unverwechselbaren Bewegungssprache schaffen sie physisch intensive, präzise komponierte Arbeiten, in denen Körper, Raum und Dynamik auf eindrucksvolle Weise miteinander in Beziehung treten.

„Uns interessiert, wie aus kleinsten Bewegungen komplexe Strukturen entstehen. In dieser Arbeit ist das Ganze nicht etwas Vorgegebenes – es entsteht fortwährend durch die Teile. Jeder Körper ist eigenständig und zugleich untrennbar mit den anderen verbunden.

Wir arbeiten mit klaren Systemen, in denen Gewicht, Rhythmus und Wiederholung die Bewegung erzeugen. Wenn ein Körper sich verschiebt, muss sich alles neu organisieren. So entsteht eine Choreografie, die zugleich präzise und lebendig ist – ein Gefüge aus Abhängigkeit, Spannung und gegenseitiger Unterstützung.

Gerade in einer Zeit, die von Fragmentierung geprägt ist, verstehen wir das gemeinsame Tanzen als einen Akt von Verbindung: ein physisches Erleben davon, wie wir uns gegenseitig tragen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.“

– Guy Nader und Maria Campos

„Das „Ganze“ erscheint als ein großer, atmender Organismus, während die „Teile“ sich in den Gelenken, Blicken und Atembewegungen der Tänzer zeigen.“

Interview von Thorsten Teubl mit den Choreograf:innen Maria Campos und Guy Nader

Könnt Ihr die zentrale Idee von The Whole and its Parts kurz zusammenfassen? Was war der Ausgangspunkt der Arbeit, und welche Fragen haben den kreativen Prozess zu Beginn geleitet?

Das Stück untersucht das Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv. Ausgangspunkt war eine einfache Frage: Wie kann eine mikroskopisch kleine Handlung ein makroskopisches System beeinflussen? In der Choreografie kann bereits die kleinste Gewichtsverlagerung oder Richtungsänderung eines einzelnen Tänzers die gesamte Gruppe neu organisieren.

Wir denken dabei oft in fraktalen Strukturen, in denen sich dasselbe Muster auf unterschiedlichen Ebenen wiederholt. Die kleinste Bewegung trägt bereits die Logik des Ganzen in sich. Das „Ganze“ ist also nicht getrennt von seinen „Teilen“, sondern wird fortwährend durch sie hervorgebracht. Die Choreografie wird zu einem lebendigen System, in dem jeder Körper zugleich eigenständig und unentbehrlicher Teil eines größeren Organismus ist.

Tanzende heben eine Person kopfüber in die Luft.
Selene Martello
Tanzende Person kopfüber von einer Gruppe getragen.
Selene Martello
Künstler:innen heben eine Person kopfüber in die Luft.
Selene Martello
Gruppe Tanzende hebt eine Person schwebend.
Selene Martello
Tanzende heben schwebende Person in einer Bühnenperformance.
Selene Martello
Tänzer:innen heben eine Person in einer dynamischen Performance.
Ensemble

Der Titel verweist bereits auf die Beziehung zwischen dem Ganzen und seinen Teilen. Wie übersetzt sich dieses Konzept in Bewegung, Raumorganisation und Struktur?

Wir übertragen diese Idee über Geometrie und Synchronisation in den Raum. Die Bühne wird zu einem Raster: Das „Ganze“ erscheint als ein großer, atmender Organismus, während die „Teile“ sich in den Gelenken, Blicken und Atembewegungen der Tänzer zeigen.

Die Bewegung ist so organisiert, dass jede Verschiebung des Körperschwerpunkts eines Einzelnen eine Anpassung der gesamten räumlichen Struktur erfordert, um das Gleichgewicht zu erhalten.

Wie funktioniert Euer gemeinsamer choreografischer Prozess als Duo?

Unser Prozess ist ein ständiges Wechselspiel – eine Art Pingpong. Maria konzentriert sich häufig auf die organischen Details und die sinnliche Qualität der Bewegung, während Guy die strukturelle Logik und die räumlichen Verläufe betrachtet.

Feste Rollen gibt es nicht. Wir verhandeln jeden Moment der Choreografie so lange, bis sich die innere Logik des Stücks als eine Art dritte Stimme herausbildet, die schließlich unsere Entscheidungen leitet.

Tanzende Person kopfüber, von anderen unterstützt.
Ensemble
Tanzperformance: Tänzer:innen halten und schweben auf der Bühne.
Ensemble

Mit welchen Arbeitsmethoden arbeitet Ihr im Probenprozess?

Wir arbeiten mit klar definierten strukturellen Systemen. Anstatt Bewegungen klassisch festzulegen, entwickeln wir komplexe „Spiele“ oder physische Aufgaben mit strengen Regeln. Die Tänzer:innen lösen diese Aufgaben in Echtzeit, wodurch eine Bewegungssprache entsteht, die zugleich präzise und hoch dringlich ist.

Rhythmus, Wiederholung und Präzision spielen in Euren Arbeiten eine zentrale Rolle. Wie funktionieren diese Elemente in diesem Stück?


In dieser Arbeit ist Rhythmus das verbindende Element, während Gewicht der Motor ist. Gewicht verstehen wir nicht als etwas, das man aktiv „tut“, sondern als etwas, das man zulässt. Indem man sich der Schwerkraft hingibt, wird Gewicht zum zentralen Generator von Bewegung.

Wiederholung bedeutet nicht, dasselbe zu wiederholen, sondern einen Zustand weiterzuentwickeln. Präzision ist dabei unerlässlich: In einem komplexen System kann bereits eine Abweichung von einem Zentimeter die gesamte Struktur destabilisieren. Daraus entsteht eine hypnotische, beinahe rituelle Spannung.

Tanzende in blauen Kostümen führen eine Wurffigur auf.
Ensemble
Tanzende bilden eine menschliche Pyramide, eine Person wird getragen.
Ensemble

Wie würdet Ihr Euer grundlegendes Verständnis von Tanz beschreiben?

Tanz ist für uns organisierte Energie und kollektive Widerstandskraft. Uns fasziniert, wie Körper ihre „Menschlichkeit“ überschreiten und zu reiner Physik werden können – zu Gravitation, Impuls und Zentrifugalkraft – und dabei zugleich zutiefst verletzlich bleiben.

Gemeinsam zu tanzen ist für uns auch eine Haltung. Die Organisation von Körpern im Raum ist nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern eine Praxis von Verbundenheit. In einer fragmentierten Welt wird die präzise Koordination einer Gruppe zu einem meditativen Akt des Widerstands.

Was inspiriert Eure choreografische Arbeit?

Wir lassen uns von Physik, Architektur und Natur inspirieren. Wir beobachten, wie Brücken Gewicht tragen oder wie Planeten sich bewegen. Bewegung ist unser zentrales Forschungsfeld, doch wir suchen stets nach den unsichtbaren Linien, die Körper und Objekte im Raum verbinden.

Eine Person steht auf den Schultern anderer Tanzender.
Ensemble
Akrobatische Tanzpose von Menschen in blauen Kostümen.
Ensemble

Wie habt Ihr die Arbeit mit dem Ensemble von TANZ_KASSEL erlebt?

Das Ensemble am Staatstheater Kassel ist außergewöhnlich vielseitig. Es verbindet eine rohe, geerdete Kraft mit großer intellektueller Neugier. Die Fähigkeit, zwischen explosiver Körperlichkeit und meditativer Ruhe zu wechseln, hat es uns ermöglicht, die Dynamik des Stücks weiter zu schärfen.

Welche Rolle spielen Raum, Licht und Musik?

Sie sind keine dekorativen Elemente, sondern Mitgestalter der Choreografie. Die Musik gibt den Puls vor, der die innere Zeit der Tänzer bestimmt, während das Licht die Grenzen des „Universums“ definiert, das wir erschaffen. Alle Elemente entwickeln sich parallel zur Bewegung.

Tänzer:innen in blauen Kostümen bei einer Hebefigur auf der Bühne.
Ensemble
Tanzende unterstützen schwebende Person bei Bühnenperformance.
Ensemble

Wie verortet Ihr das Stück innerhalb Eurer bisherigen Arbeit?

Dieses Stück ist eine Verdichtung unserer künstlerischen Fragestellungen. Wir untersuchen intensiver die Fragilität der „Teile“ innerhalb des „Ganzen“.

In einer Zeit globaler Krisen erscheint es uns wichtiger denn je, ephemere Kunst zu schaffen – etwas, das nur im Moment existiert. Es ist ein Akt des Widerstands, Wochen in eine Arbeit zu investieren, die kein Produkt ist, sondern eine gemeinsame Erfahrung. Gleichzeitig setzen wir unsere Auseinandersetzung mit Systemen fort – mit einer gesteigerten Dringlichkeit in Bezug darauf, wie wir einander tragen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Gibt es einen Moment, der die Essenz des Stücks besonders verdichtet?

Es gibt eine Passage, in der sich die gesamte Gruppe wie eine einzige, wellenartige Bewegung durch den Raum bewegt, während gleichzeitig der individuelle Kampf jedes Einzelnen sichtbar bleibt. Diese Spannung zwischen Synchronität und Erschöpfung bildet den Kern der Arbeit.

Tanzende in Balance auf einer dunklen Bühne.
Ensemble
Bühnenperformance: Vier Tanzende unterstützen sich im blauen Licht.
Ensemble

Was möchtet Ihr dem Publikum mitgeben?

Wir wünschen uns, dass das Publikum das Gewicht der Körper nicht als Last, sondern als geteilte Menschlichkeit empfindet. In einer Welt, die oft Vereinzelung fordert, möchten wir die Schönheit von Zusammenarbeit sichtbar machen.

Teil eines Ganzen zu sein bedeutet, ein sensibles Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen zu finden. Diese Form körperlicher Empathie kann zu einer Art Meditation werden. Selbst in komplexen Systemen gibt es Raum für individuelle Resonanz.

Wie würdet Ihr das Stück einem Kind erklären?

Stell dir eine große Uhr vor, deren Zahnräder aus Menschen bestehen. Wenn ein Mensch stehen bleibt, verändert sich der Klang der ganzen Uhr. Es ist ein Tanz darüber, wie wir alle einander brauchen, damit die Welt in Bewegung bleibt.

Tanzende heben schwebende Person auf der Bühne an.
Ensemble
Tanzende Personen auf weißer Bühne in Bewegung.
Ensemble

Spielen kosmische oder physikalische Konzepte eine Rolle in Eurer Arbeit?

Ja, absolut. Wir denken in Begriffen wie Gravitation und Entropie. Die Choreografie verhält sich oft wie ein geschlossenes System, in dem Energie nicht verloren geht, sondern von einem Körper zum nächsten weitergegeben wird.

Wenn das Stück einen Geruch hätte – wie würde es riechen?

Nach Ozon und nassem Stein – wie die elektrische Spannung kurz vor einem Gewitter, verbunden mit etwas Erdendem und Ursprünglichem.

Gruppe Tanzender in blauen Kostümen in dynamischer Pose.
Ensemble
Tanzende Gruppe von Menschen, einige schwebend, andere haltend.
Ensemble

Seht Ihr Parallelen zwischen Choreografie und astronomischen Systemen?

Choreografie ist für uns wie das Kartografieren einer Galaxie. Es gibt Zentren von Energie und Körper in Umlaufbahnen. Alles folgt Kräften von Anziehung und Abstoßung. Unser Studio ist gewissermaßen ein kleines Observatorium.

Hat die Stadt Eure Arbeit beeinflusst?

Ja, vor allem der Geist der documenta – die Vorstellung von Kunst als lebendigem Teil des urbanen Gefüges – spiegelt sich im Ensemblegedanken des Stücks wider.

Gruppe Tanzender
Ensemble
Gruppe Tanzender mit Hebefigur
Ensemble

Interessiert Ihr Euch mehr für Astronomie oder Astrologie?

Für Astronomie. Die physikalische Realität des Universums ist für uns poetisch genug. Die Vorstellung, dass wir aus Sternenstaub bestehen, ist für uns bewegender als jede symbolische Deutung.

Und abschließend: Wenn das Stück ein Himmelskörper wäre – welcher wäre es?

Ein Pulsar: dicht, hoch organisiert und von einem unaufhörlichen, rhythmischen Energiestrahl durchzogen, der die Dunkelheit durchschneidet

Hebefigur
Ensemble

"Bühnenbild und Kostüme sollten niemals miteinander konkurrieren."

Interview von Thorsten Teubl mit dem Bühnen- und Kostümbildner Anastasios Tassos Sofroniou

Tassos, könntest du zunächst etwas über deine Herkunft und deinen Weg erzählen?
Wo bist du aufgewachsen, und wie bist du ursprünglich zur Arbeit als Bühnen- und Kostümbildner gekommen?

Ich wurde in Halver, hier in Deutschland, als Kind griechischer Eltern geboren und wuchs in Athen auf. Seit etwa zehn Jahren lebe ich in Paris. Seit ich denken kann, war ich umgeben von großartiger Fotografie, Modezeitschriften, Biografien, vielfältiger Musik, Theater und Kultur, klassischer und zeitgenössischer Kunst. So entwickelte sich in mir eine tiefe Leidenschaft für das Unmögliche.

Ich war kein besonders geselliges Kind. Am liebsten zog ich mich in mein Zimmer zurück, hörte Oper, R&B, Rock und elektronische Musik und zeichnete, formte und gestaltete mit meinen Händen Worte, während ich in Gedanken in meine selbstgeschaffenen, fantastischen Welten abtauchte.

Meinen Einstieg in die kreative Welt fand ich in der Mode und Fotografie. Bereits mit vierzehn Jahren begann ich in der Modebranche zu arbeiten, während ich nebenbei Kunstgeschichte und Grafikdesign studierte und die nationalen Schwimmmeisterschaften in Athen gewann. Ich begann als Trendforscherin und Castingberaterin, wurde zur Castingdirektorin befördert und wechselte dann in den Bereich Modestyling, wo ich mit 23 Jahren Fashion Director wurde. Mit 25 verließ ich meine Heimatstadt und startete in den 90er-Jahren in London, der aufregendsten Zeit seiner jüngeren Geschichte, eine neue Modekarriere. Ich konnte mich durch Kooperationen mit Magazinen wie Vogue, i-D, Interview und Elle sowie mit Modedesignern und Marken wie Alexander McQueen, Chloé, Nike und Mulberry und Fotografen wie Richard Avedon und Mario Testino etablieren. 2010 gründete ich mein eigenes Label Conquistador Menswear, und 2011 schlug mir der international gefeierte Choreograf Andonis Foniadakis eine Kostümbildkooperation mit dem Genfer Ballett für die Produktion von Glory vor. Das Stück entwickelte sich zu einem der am längsten laufenden Werke in der Geschichte des Ensembles und wurde zwölf Jahre in Folge aufgeführt und wiederaufgeführt.

Gab es einen bestimmten Moment, der dich in Richtung Bühne geführt hat?
 Oder war es eher ein langsamer Weg über Kunst, Design oder Architektur?

Was mich schon früh faszinierte, war das Verhältnis zwischen dem menschlichen Körper, dem Wesen des Raumes und dem Erzählen, die Kunst des audiovisuellen Geschichtenerzählens und das, was ich letztendlich vermitteln wollte. Die Mode legte ein solides Fundament: Sie vermittelte mir Wissen über harte Arbeit, tiefgründige und vielfältige Informationen, Form, Proportion, die Magie der Schneiderei und die Vorteile einer starken persönlichen Identität. Während meiner Arbeit an kulturellen Live-Aufführungen war die Magie des Theaters stets ein unterschwelliger Wunsch. Als es mir schließlich gelang, meine facettenreiche Sprache als Bühnen- und Kostümbildnerin zu etwas Radikalem, Zeitlosem und Wirkungsvollem zu erweitern, fand ich den Ort, an dem meine imaginären Worte endlich Gestalt annehmen und ich diese aufregenden Ziele in der Realität erreichen konnte. Die Kombination aus Architektur, Licht, Kostümen und Bewegung verschmolz zu einer immersiven und erlebnisreichen Reise für mich, meine Teams und vor allem für das Publikum meiner Inszenierungen.

Anders als die Mode, die letztlich dem Kommerz dient, gehört das Theater in all seinen Formen der Welt der Fantasie und des gemeinsamen kreativen Erlebnisses an. Es befreite mich von der reinen Gestaltung von Werbespots und der Produktkommunikation. Es ermöglichte mir, eine völlig neue Welt zu erreichen und zu entdecken.

Diese Erkenntnis war transformativ und ungemein erfüllend. Das Licht, die Bühnenarchitektur, die kollektive emotionale Atmosphäre, die mitreißende Energie des Publikums – all das war in jeder Live-Aufführung spürbar. In vielerlei Hinsicht waren Bühnenbild und Lichtdesign die natürliche Fortsetzung meines Kostümdesignprozesses und führten.

Du arbeitest sowohl im Bühnenbild als auch im Kostümbild.
 Denkst du diese beiden Bereiche grundsätzlich zusammen, oder sind es für dich zwei sehr unterschiedliche künstlerische Prozesse?

Zwei Tänzer:innen in blauen Kostümen tragen einander.
Kesi Rose Olley Dorey, Tse-Wei Wu

Für mich sind sie untrennbar mit einem einheitlichen visuellen Ökosystem verbunden. Bühnenbild und Kostüme sollten niemals miteinander konkurrieren. Sie müssen sich ergänzen und das Erlebnis bereichern.

Doch Kostüme existieren nicht isoliert. Sie müssen durch ausdrucksstarke Details, innovative Schneiderkunst und eine starke visuelle Ästhetik zum Leben erweckt werden. Ausgewogen in die Szenografie eingebettet, ist es meine Aufgabe, das Konzept zu unterstützen und die Arbeit der Regisseure erstrahlen zu lassen. So erwacht die Bühne erst zum Leben, wenn Künstler sie bevölkern. Mein Ansatz ist daher ganzheitlich: Ich betrachte die Bühne als lebendige Architektur. Ich sehe das Licht als die Hände, die den Raum formen. Dann biete ich die aufregenden Kostüme an, die den Tänzern optimal dienen und die Bewegung in der gesamten Komposition vorantreiben.

Im zeitgenössischen Tanz wird dieser Dialog besonders faszinierend, da sich die Tänzer selbst ständig verändern und ihre Persönlichkeit ausdrücken – etwas, das ich faszinierend finde. Das Kostümdesign muss daher eine Kombination meiner charakteristischen Ästhetik sein, entwickelt in präzisen und großzügigen Formen und Silhouetten, strukturiert und doch funktional genug, um der Choreografie Raum zum Atmen und Entfalten zu geben.

Was fasziniert dich persönlich am meisten an der Arbeit als Bühnen- und Kostümbildner? 
Wo liegt für dich der größte Lustfaktor in dieser Arbeit?

Das größte Vergnügen liegt darin, den Moment mitzuerleben, in dem ein Entwurf nicht länger nur eine Idee ist, sondern zu einem lebendigen Erlebnis wird, das wir mit dem Publikum teilen. Während der Proben arbeitet man mit Skizzen, Stoffen, Lichttests, Ateliers und Raumkonzepten. Doch die wahre Magie entfaltet sich erst am Premierenabend, wenn all diese Elemente zusammenfließen, die Bühne zur erträumten Welt wird und das Publikum sie gemeinsam willkommen heißt. Im Falle von „The Interim“ war dies ein Glücksfall, da wir in diesem modularen Raum die erste zeitgenössische Tanzproduktion präsentieren konnten.

Mir liegt besonders daran, unvergessliche Atmosphären zu schaffen, die das Publikum fesseln, ohne es zu überfordern. Wenn diese Balance erreicht ist, empfinde ich das Gefühl der gemeinsamen Begeisterung von Künstlern und Publikum als unglaublich bereichernd. Ich werde Teil von ihnen. Denn das Publikum hat einen unglaublichen Instinkt.

Wie begann deine Zusammenarbeit mit den Choreograf:innen Guy Nader und Maria Campos für The Whole and its Parts?
 Was war die erste Idee oder das erste Bild, das du für diese Produktion entwickelt hast?

Alles begann mit einem Anruf des Tanzdirektors Thorsten Teubl im Juni 2025. Wir hatten bereits vier erfolgreiche Kooperationen mit TANZ_KASSEL realisiert, und ich war sofort von seiner Vision und Idee begeistert. Bei „The Interim“ wurde das Licht zu meiner wichtigsten Inspirationsquelle: göttlich, transparent, geheimnisvoll, strukturiert. Ich spürte, dass wir die Kreation in neue, unberührte Gefilde führen könnten. Guy und Maria brachten dann ihre charakteristischen choreografischen Merkmale in dieses neue Werk ein. Schon früh war klar, dass Bühnenbild und Kostüme einen sich stetig weiterentwickelnden, faszinierenden und kontinuierlichen Bewegungsfluss unterstützen mussten.

Der erste Impuls war daher eher räumlicher als dekorativer Natur. Ich begann darüber nachzudenken, wie das Licht beinahe wie eine zusätzliche Figur im Ensemble der Tänzer agieren könnte, die Bühne in subtilen, minimalistischen und doch reichen Formationen und vielfältigen Farbtönen strukturieren und gleichzeitig das Werk im Mittelpunkt stehen lassen. Die visuelle Welt des Stücks entwickelte sich allmählich um diesen Dialog zwischen den Darstellern, der choreografischen Identität und der wechselseitigen Verbindung zwischen beiden.

Welche zentrale Idee steht hinter dem Bühnenbild dieser Produktion?
Wie unterstützt oder erweitert der Raum die choreografische Arbeit?

Bühne mit leuchtender Decke, pinkem Licht und drei Figuren.
Visualisierung des Bühnenbilds

Die Bühnenumgebung ist bewusst minimalistisch, aber dennoch pulsierend und dynamisch. Anstatt eine feste szenografische Struktur zu verwenden und die vorhandene, vielfältige Theaterbeleuchtung zu nutzen, entwickelten wir diese riesige, 10 x 10 Meter große Lichtinstallation. So entstand eine flexible, vielschichtige Atmosphäre, die sich harmonisch mit der Choreografie und der Musik – meiner primären Quelle für Lichteffekte – verändert. Diese spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des zentralen Gefühls und der visuellen Reaktion auf die Umgebung. Durch Variationen in Intensität, Farbe, Richtung und räumlicher Komposition verwandelt sich die Bühne in vielfältige Landschaften, Meere, Himmel und Vollmonde, die sich parallel zum Geschehen entwickeln. Ziel war es, die innere Logik zu verstärken und dem Publikum einen visuellen Rahmen zu bieten, durch den die Komplexität der Bewegung die Schwerkraft herausfordert und die Beschränkungen einer Live-Bühnenperformance aufhebt. Eine Chance, „aus vielen kontrastierenden Teilen ein Ganzes zu erschaffen“.

Und wie verhält es sich mit den Kostümen?
 Welche Rolle spielen sie im Stück – eher als Erweiterung des Körpers, als visuelle Struktur oder als eigener erzählerischer Layer?

Die Kostüme fungieren in erster Linie als dezente Erweiterung der Bewegung und des Bühnenbilds. Ich wünschte mir einen zeitgenössischen Minimalismus. Die körperliche Intelligenz der Darsteller sollte respektiert werden, gleichzeitig sollte ihnen als Team und als Einzelpersonen eine starke visuelle Identität auf der Bühne verliehen werden. In diesem Stück sind die Kostüme kontrastreich gestaltet: Langärmlige, doppellagige Oberteile, so leicht und transparent, dass sie durch die fließenden Materialien fast wie kleine Wolken wirken und den Körper umhüllen, werden mit scharf geschnittenen, maßgeschneiderten Neoprenhosen kombiniert, die perfekt sitzen. Mir war bewusst, dass das Bühnenbild gewaltig sein würde, und ich habe Farben von Königsblau bis zu einem hellen, industriellen Grau in verschiedenen Nuancen und Varianten sowohl in den Kostümen als auch in der Lichtinstallation während der gesamten Show ausbalanciert.

Wie fühlen sich die Kostüme für die Tänzer:innen an?
 Geht es eher um Leichtigkeit und Bewegungsfreiheit oder auch um eine bestimmte Materialität und Präsenz?

Komfort und Bewegungsfreiheit sind unerlässlich, jedoch nicht auf Kosten eines gelungenen Designs. Ein Kostüm muss die Geschichte erzählen, die Tänzerin oder den Tänzer optimal in Szene setzen und deren oder dessen Selbstbewusstsein und Bühnenpräsenz durch tragbare Funktionalität stärken. Die fertigen Kostüme müssen im Zusammenspiel mit dem Licht harmonisch wirken, jede Textur hervorheben und die körperliche Synergie der Choreografie unterstützen.

Mein Ansatz ist es, tragbare Kunstwerke zu schaffen, in denen Tänzerinnen und Tänzer gerne auftreten. Wenn eine Tänzerin oder ein Tänzer das Kostüm „fühlt“, beherrscht die Performance die Bühne mit Leichtigkeit und starker Autorität. Diese Balance zwischen technischer Funktionalität und ästhetischer Klarheit zu erreichen, ist einer der befriedigendsten Aspekte meines Kostümdesignprozesses und hat sich zu meinem internationalen Markenzeichen entwickelt.

Ist es manchmal schwierig, Tänzer:innen von bestimmten Kostümen zu überzeugen? Oder anders gefragt: Gibt es Momente, in denen sie sich gegen ein Kostüm „wehren“ – und wie gelingt es dir dann, sie doch dafür zu begeistern?

Gelegentlich gibt es einen Moment der Unsicherheit, was völlig normal ist, da alle Tänzerinnen und Tänzer in der Vorbereitung sehr lockere, einfache Probenkleidung tragen. Sie kennen und vertrauen ihren Körpern sehr und sind sensibel dafür, wie Kostüme ihre Bewegungsfreiheit beeinflussen oder einschränken könnten. Ich höre immer aufmerksam auf ihr Feedback und passe die Details individuell an, um die Kostüme perfekt an ihre jeweiligen Körpermerkmale anzupassen. Sobald die Tänzer:innen in den Kostümen stecken und diese wie angegossen sitzen, entsteht ein gegenseitiges Vertrauen, und das Kostüm wird Teil ihres Ausdrucksmittels, anstatt nur ein Accessoire zu sein. Ich habe immer versucht, mich selbst zu übertreffen und anspruchsvolle, innovative Kostüme zu entwerfen, indem ich die Grenzen auslote und meine Fähigkeiten ständig herausfordere. Genau das begeistert mich auch nach all den Jahren noch bei jeder Zusammenarbeit.

Wie eng arbeitest du während des Probenprozesses mit den Tänzer:innen zusammen? Verändern sich Kostüme oft noch durch ihre Bewegungen und Erfahrungen im Studio?

Sehr genau. Die Beobachtung der Proben ist unerlässlich, da die Choreografie oft Nuancen offenbart, die im Studio nicht vorhersehbar sind. Manchmal kann eine kleine Änderung – eine Naht, eine Länge, ein Stoffgewicht – die Bewegungswirkung eines Kostüms dramatisch verbessern. Ich sehe diesen Prozess als Dialog zwischen Design und Bewegung, in dem sich beide gegenseitig beeinflussen.

Was muss man deiner Meinung nach unbedingt können, um ein guter Bühnen- und Kostümbildner zu sein? Sind es eher technische Fähigkeiten, ein starkes visuelles Denken oder vielleicht auch viel Empathie für die Performer:innen?

Visualisierung der Bühne
Visualisierung der Bühne

Neugier: Man kann in diesem Beruf nicht einmal ansatzweise Fuß fassen, wenn man nicht neugierig ist, zu lesen, zu entdecken und zu experimentieren, ohne Angst vor Fehlern oder Misserfolgen zu haben. Kreative Rückschläge sind immer ein verstecktes Geschenk. Hinzu kommen natürlich eine starke visuelle Vorstellungskraft, die Fähigkeit, in stressigen Situationen ruhig zu bleiben, und die Begeisterung, Neues zu schaffen und Wiederholungen zu vermeiden. Vor allem aber braucht man ständige Kreativität, Gelassenheit, Empathie und ein tiefes Verständnis für den kollaborativen Charakter der Theaterwelt. Bühnen- und Kostümbildnerei ist niemals eine einsame Angelegenheit. Sie erfordert Teamarbeit, gute Kommunikation und Vertrauen in den Prozess. Technisches Wissen, handwerkliches Können und ästhetisches Empfinden spielen alle eine Rolle, aber letztendlich besteht die Aufgabe des Designers darin, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle gleichermaßen einbringen können, die endgültige Entscheidung aber eine sichere Wahl ist, bei der die Aussicht besteht, dass die Arbeit aller glänzen kann.

Wenn du das visuelle Universum von The Whole and its Parts beschreiben müsstest – welche Bilder, Farben oder Atmosphären prägen es?

Die Atmosphäre ist raffiniert, architektonisch und von stiller Dynamik geprägt. Die Farbpalette wirkt leicht futuristisch, zurückhaltend und rückt so die Choreografie und die körperlichen Interaktionen der Tänzer in den Mittelpunkt. Anstatt die Bühne mit Bildern zu überfrachten, zielt das Design darauf ab, durch die Farbe Blau und ihre vielen beruhigenden und zugleich dynamischen Eigenschaften ein Gefühl von Klarheit und Tiefe zu erzeugen. Als Griechin symbolisiert die Farbe Blau für mich Freiheit, Eskapismus und Leidenschaft. Ich wollte diese Gefühle in ihrer ganzen Bedeutung in diesem Bühnenbild und diesen Kostümen zum Ausdruck bringen.

Du arbeitest aktuell in Kassel. Wie erlebst du die Stadt während der Probenzeit? Gibt es Orte, die dich besonders inspiriert haben?

Kassel besitzt eine einzigartige Energie, insbesondere aufgrund seiner Geschichte mit der Documenta, die ich mit großem Interesse verfolge, und seiner engen Verbindung zu vielen Formen zeitgenössischer Kunst. Während der Probenzeit empfinde ich die Stadt als ruhig und konzentriert, was ideal für meinen komplexen und anspruchsvollen kreativen Arbeitsprozess ist. Diese Ruhe, diese Atmosphäre, unterstützt meine Konzentration und die spätere Reflexion über das positive Ergebnis meiner Arbeit optimal.

Könntest du dir vorstellen, neben großen Metropolen wie Paris auch in einer Stadt wie Kassel zu leben?

Paris wird immer mein Hauptwohnsitz bleiben. Es ist eine außergewöhnliche Stadt voller Kunst, Kultur, Mode und kreativem Austausch. Doch ich bin ein Workaholic und reise jedes Jahr über 260 Tage für großartige Produktionen wie diese. Daher bin ich im Herzen ein Nomade und kann mich ständig neu inspirieren lassen.

Kassel bietet etwas ebenso Wertvolles: die nötige Zeit und den Raum zum Nachdenken und kreativen Schaffen, fernab vom Druck der Großstadt. Meine Kreativität blüht in vielerlei Hinsicht auf, wenn der Dialog zwischen diesen beiden kontrastierenden Welten stattfindet: der Pracht von Paris und der ruhigen, kreativen Konzentration Kassels. Ich war schon immer fest davon überzeugt, dass sich Gegensätze anziehen – und welch großartige Synergie das ist!

Und zum Abschluss: Wenn du das Bühnenbild und die Kostüme dieser Produktion in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

Abenteuerlustig, Zielorientiert, Ganzheitlich.

Biografien

Maria Campos studierte an der SEAD in Österreich und schloss 2003 ihr Studium an der Amsterdam School of the Arts (MTD) mit einem BA in Tanz ab. Sie hat mit verschiedenen Kompanien und unabhängigen Künstlern zusammengearbeitet und dabei Unterricht und eigene Kreationen miteinander verbunden. Sie arbeitete mit Meekers in Koproduktion mit dem Hans Hof Ensemble in den Niederlanden, Protein Dance und Tom Dale in Großbritannien, mit Sol Picó, Àngels Margarit/Cia.Mudances, John Jasperse, Susana Amarante Duarte, May Zahry, Bebeto Cidra und Roser López Espinosa, um nur einige zu nennen. Seit 2006 arbeitet sie mit Guy Nader zusammen und leitet mit ihm das in Barcelona beheimatete Ensemble GN | MC. Gemeinsam arbeiten sie an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz, Kontaktimprovisation, Akrobatik und Kampfkunst, loten virtuos die Grenzen des Köpers aus, etablieren neue Ausdrucksformen im zeitgenössischen Tanz und treiben die physischen Grenzen von Bewegung auf die Spitze.

Das Künstler-Duo choreografierte für verschiedene Kompanien wie EnKnapGroup in Slowenien, Eva Duda Dance Company/Movein Mission in Ungarn, Tanzmainz in Deutschland und XieXin Dance Theatre in Shanghai, China und hat bereits etliche Werke geschaffen, die bei internationalen Festivals und an Theatern weltweit gezeigt wurden. Für ihr gemeinsam mit Tanzmainz geschaffenes Werk FALL SEVEN TIMES wurde GN|MC 2017 mit dem deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet, und 2019 erhielt GN|MC den Preis der Stadt Barcelona.

Am Staatstheater Kassel kreieren Maria Campos und Guy Nader zusammen mit TANZ_KASSEL die Uraufführung The Whole and its Parts.

Guy Nader, geboren im Libanon, absolvierte das Institute National des Beaux Arts an der libanesischen Universität in Beirut. Im Jahr 2012 wurde ihm das DanceWEB Europe-Stipendium verliehen. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den ersten Preis beim Internationalen Festival 15 Masdanza auf Gran Canaria für sein 2010 entstandenes Solo WHERE THE THINGS HIDE. Er arbeitet u.a. mit dem Maqamat Dance Theatre, Bebeto Cidra, Oreet Ashery, Iliacan, Laida Azkona, Roser López Espinosa und Mickael Marso/Décalage Company zusammen. Seit 2006 arbeitet er mit der spanischen Tänzerin und Choreografin Maria Campos zusammen, mit der er die in Barcelona beheimatete Tanzcompany GN I MC leitet.

Der griechische Modeunternehmer, Dozent und Kostümbildner Anastasios Tassos Sofroniou begann seine Karriere als Moderedakteur in Athen, Griechenland. Mitte der 1990er Jahre zog er nach London, wo er exklusiv mit der global bekannten britischen Mode-Ikone Isabella Blow sowie mit Fotograf:innen wie Richard Alvedon, David La Chapelle oder Mario Testino und für Zeitschriften wie The Face, Surface, Interview US, British GQ, Sunday Times Style und Elle arbeitete. 2010 brachte er seine eigene zeitgenössische Marke Conquistador Menswear auf den Markt und gründete 2012 seine Kreativ- und Markenberatungsagentur Mesvor Consulting Ltd. Seit 2011 arbeitet er als Kostümbildner mit dem Choreografen Andonis Foniadakis zusammen und entwirft Kostüme für renommierte zeitgenössische Tanzcompanies und Opernhäuser weltweit, darunter Martha Graham Dance Company, Cedar Lake Contemporary Ballet, Genfer Oper und Ballett, Oper Florenz, Sydney Dance Company, CCN – Ballet de Lorraine, Rambert London, Opera Ballet Vlaanderen und Athens International Dance Festival.

Nikola Krgović ist ein in Zagreb lebender Komponist, Produzent, DJ, Promoter und Radiomoderator. Unter dem Alias N/OBE verbindet er präzises Sounddesign mit komplexen Rhythmen und hoher Intensität – inspiriert von der europäischen Avantgarde und moderner elektronischer Musik. Seine Tracks verschmelzen Clubmusik mit verfremdeten Orchester- und Ethno-Klängen, oft geprägt von asymmetrischen Balkan-Rhythmen.

Seit seinem Debüt 2020 wurde er international unterstützt und zählt zu den spannendsten Künstlern der regionalen Szene. Neben seiner Clubarbeit komponiert er für Theater, Tanz und Medien und arbeitet mit renommierten Kulturschaffenden sowie Marken wie McDonald’s und Adidas.

Als DJ steht er für experimentelle Sets mit starken Kontrasten und ungewöhnlichen Strukturen. Zudem ist er Mitgründer des Zagreber Kollektivs VOLTA.

Sein Debütalbum Monuments (VÖ 2027) widmet sich jugoslawischen Denkmälern und wird von einem interdisziplinären Kunstprojekt begleitet.

Alle Beiträge dieses Faltblatts sind Originalbeiträge von TANZ_KASSEL.

Wir danken belverde floristik & ambiente für die Premierenblumen.
Die Tänzer:innen von TANZ_KASSEL werden betreut von unserem Medical Care Management Team:
REHAmed System Seifert und Andreas Hempel Osteopath, mit Unterstützung von Hansefit.

Impressum
Fotos: Sylwester Pawliczek, 16. Mrz 2026 | Herausgeber: Staatstheater Kassel | Intendant: Florian Lutz | Geschäftsführender Direktor: Stefan Votel | Tanzdirektor: Thorsten Teubl | Redaktion: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl | Spielzeit 2025/26 | Gestaltung: Georg Reinhardt | Website: Stefan Endres | Änderungen vorbehalten.